Natures en tête: vom Wissen zum Handeln

Warum ist die Natur so stark in der Vorstellung der Menschen vorhanden ? Warum und wie versucht der Mensch, sie unermüdlich zu zähmen, zu verkaufen, zu zerstören oder zu schützen ? Wie soll in einem so komplexen und problematischen Bereich wie dem Umweltschutz gehandelt werden ? Das sind einige Fragen, die das ethnographische Museum von Neuchâtel im Rahmen einer Ausstellung untersucht hat, indem es die verschiedenen, widersprüchlichen Wahrnehmungen der Natur am Ende des 20. Jahrhunderts unter die Lupe genommen hat.
Ausstellen heisst ein Wissen durch eine zur Diskussion vorgeschlagenen Inszenierung verbreiten. Der Titel Natures en tête, vom Wissen zum Handeln kündet ohne Umschweife eine Reflexion über kulturelle Konstruktionen an, indem er synthetisch auf die erlebte Realität und auf das Imaginäre, auf das Wissen und auf das Handeln hinweist.

Nature urbaine


Die Gestalter der Ausstellung stellen sich in die Perspektive einer Ökologie des Geistes, die sich als Diskurs über das Lebende versteht und dabei die komplexen Beziehungen, die aus den Gefühlen, die der Mensch empfindet, aus den Ideen, die er konzipiert und aus den Gegenständen, mit denen er umgeht, resultieren.

Jede menschliche Gesellschaft verfügt über Konzepte zur Bezeichnung der Elemente ihrer Umwelt, auch wenn in gewissen Fällen die Worte für eine allgemeine Benennung der Natur, oder für bestimmte Merkmale, die andere Gruppen hervorheben, fehlen. Die Wüste, der Wald, die Berge oder die Stadt führen bei ihren Bewohnern zu eigenen Kenntissen, die auch ihre Sprache prägen. Das vorrangige Anliegen der Ausstellung ist es, unsere Art, die Umwelt wahrzunehmen, zu hinterfragen, und andere Gesichtspunkte durchschimmern zu lassen. Wie in einem Übergangsritual wird uns nahegelegt, unsere Überzeugungen für einen Moment beiseite zu schieben, um unseren Geist dem vorgeschlagenen Experiment zu öffnen. Nur das Ritual kann uns einen Schritt in einem Gebiet weiterbringen, das wir für selbstverständlich halten.

Wir blicken zuerst auf die vier Jahrzehnte zurück, in denen der Begriff Umwelt sich zunehmend breitmachte – ein Begriff, der um 1965 aus den USA reimportiert wurde, um die vielschichtige Beziehung zwischen dem Menschen und seiner unmittelbaren Umgebung zu bezeichnen. Nebst den vier Inszenierungen, die alle das Frühstück darstellen – ebenfalls Moment des täglichen Nachrichtenkonsums – ziehen die wichtigen wie auch die weniger wichtigen Ereignisse vorbei. Die Einkaufswagen suggerieren ein Bewusstwerden, das durch politische Entscheidungen weitergetragen wird und sozio-kulturelle Aktionen im Gebiete der Ökologie, der Gesundheit und der Entwicklung.

Wie werden unsere Egos vom sozialen Diskurs geformt? Wie reagieren wir auf äussere Einflüsse? Der Raum der Zersplitterung bietet ein Spannungsfeld zwischen den Grundgefühlen an: die Liebe, die Angst, der Respekt und der Wunsch zu beherrschen sind nach vier Meinungen geordnet – allgemein, wissenschaftlich, ökologisch und animistisch. Wir verstehen, dass wir von diesen gegensätzlichen Tendenzen bearbeitet werden, dass wir uns unserem sozialen Umfeld nicht entziehen können und dass wir die Welt, in der wir leben, stets in allen Bestandteilen auf- und abbauen müssen. Eine Reihe Porträts von Persönlichkeiten, die für ihr Engagement auf den Gebieten der Ökologie, der Gesundheit und der Entwicklung bekannt sind, erinnern uns daran, dass unsere Vorstellungen von Ideologien und sozialen Praktiken geprägt sind.

Das Übergangsritual geht weiter mit einer Reise ins Land der Träume und Visionen und bietet eine magische Lösung für die Probleme an, die aus unserem Willen entstehen, unsere elementaren Bedürfnisse stillen zu wollen. Sich bewegen, sich ernähren, sich pflegen, sich kleiden, reinigen, lieben und kommunizieren bringt seine Komplikationen in unseren Alltag. Vier unterschiedliche Visionen schlagen eine traumhafte Lösung vor: die Werbung, die Technik, die Idylle und der Mythos. Jenseits der manichäistischen, moralisierenden oder geschäftsführenden Vorschläge führen uns diese Visionen in unser tiefstes Innerstes, von wo aus wir unsere Lebensform neu erschaffen.

Während wir Raum und Zeit neu denken müssen, finden wir den Faden unserer Existenz wieder und sind mit der Notwendigkeit, neue Grenzsteine zu setzen, konfrontiert. Wir müssen Stellung beziehen, handeln oder neu erfinden – aus der Überzeugung heraus, dass das einzig wahre Wissen seine Grundlagen hinterfragt.

  

Mise à jour le 18.09.1998   [Webmaster]