Hinter den Bildern
    

Faszinierende Bilder ! Sie verführen, verblüffen, enthüllen und versklaven uns – alles in einem. Das MEN-Team war ihnen schon längst eine Ausstellung und ein Buch schuldig.
Als Reflexion über das Bild, das als Raum konzipiert ist, den es in der Form einer geistigen und physischen Reise zu ergründen gilt, funktioniert die Ausstellung nach dem Prinzip des Blätterns: ein Bild verweist immer auf ein anderes Bild, welches seinerseits auf ein weiteres Bild verweist und so fort.

Les coulisses de la mémoire

  
Ausgehend vom Intimbereich kommen dabei Sinn-Zuordnungen, Assoziationen, Projektionen und Phantasmen ins Spiel, vor allem in Bezug auf Tod, Sex und Sakrales – wesentliche Bereiche für das Hervorbringen von Vorstellungen. In Alkoven des Traums und der Sinnlichkeit aneinandergereiht, ist die Rede von Bildern, die in den Wortbuchten nisten, von der Bedeutung des Ein-Rahmens bei der Konstruktion von Sinn, vom Kampf gegen einen zu braven, durch Inschriften, rituelle Durchbrüche und Überschreitungen zu glatt geschliffenen Körper wie auch von den Versteckspielen der Menschen mit ihren Erinnerungen, mit ihrer Sexualität und ihrem Unbewussten.
Dort, wo die öffentliche Sphäre eintritt, stehen mit Wissen, Macht und Glauben verbundene Figuren und Symbole. Sie projizieren eine gesellschaftliche Vision der begehrten, verkauften, megalisierten, erforschten, sakralisierten und gekrönten Objekte und Körper in den Raum. Hier ist also die Rede von suggestiven Inszenierungen. Auf den Mauern der Städte, in den Schaufenstern, auf öffentlichen Plätzen oder im Halbdunkel von Kirchen verkaufen sie uns Verlangen in Form von Fertigbausätzen, Vertrauen en gros, mit Firmen- und Markenzeichen, Macht als Monumente, Exotik als Souvenirs und Stereotypen, Mustergültiges in Kapellen und Auslagen.

Révélations photographiques

 

 

  
Am Schluss werden Interpretationskonflikte aufgestöbert, die mit der Kontrolle über die Bilder zusammenhängen, sei es durch Normierung, lkonoklasmus, Zensur oder Verordnung. Hier ist immer weniger von konkreten Darstellungen die Rede, dafür immer mehr von gesellschaftlichen Spieleinsätzen, von Normen, Regeln und Codes, die über Anweisungen in den Medien, über ideologische Vorschriften und ästhetische Behauptungen vermittelt werden.

Das absolute Weiss als Abschluss der Reise zeugt von der Unmöglichkeit, die Bilder ausserhalb der kulturellen Beeinflussung zu denken, ohne die sie weder erkennbar noch analysierbar wären. Denn hinter den Bildern gibt es nichts.

  

Mise à jour le 28.11.2003   [Webmaster]