Das CAN Kunstzentrum Neuenburg

  

Das CAN (Centre d’Art Neuchâtel) hat seit seiner Einweihung im März 1995 rund hundert Veranstaltungen organisiert und Arbeiten von mehr als 160 Künstlern aus der ganzen Welt ausgestellt, u. a. von Noritoshi Hirakawa, Roman Signer, Olivier Mosset, Erwin Wurm, Jonathan Monk, Steven Parrino, Fabrice Gygi, Kenji Yanobe. Das CAN, das wie eine konstant veränderliche Plattform funktioniert, versteht sich als Ort der Entdeckung, der Experimente und der Produktion.
Wie kann man über die heutige künstlerische Praxis Bericht erstatten Was bedeutet ausstellen Welches ist die Rolle eines Austellungsmachers Wie soll man einen Ausstellungsraum konzipieren Wie ihn bewohnen Was steht bei den heutigen Künstlern auf dem Spiel Welche Codes verschieben sie Wie lange dauert eine Ausstellung Wann wird sie wirksam Während ihrer Konzeption, ihrer Produktion oder ihrer Vernissage Gibt es ein vor, ein während und ein nach der Ausstellung.
Diese Fragen kamen im Laufe der vielseitigen Veranstaltungen des CAN (Ausstellungen, Performances, Videoprojektionen, Vorträge, usw.) zur Sprache. Gewisse Künstler haben eine Agentur für die Vermietung von lebendigen Gartenzwergen eröffnet oder ihre letzte Zigarette geraucht, andere haben die Gesamtheit der zur Ausstellung bestimmten Bilder zerstört, das Niveau der Radioaktivität in der Stadt kontrolliert, sich den Kopf verbrannt und dabei ihr Leben riskiert.
Das CAN versteht sich nicht als Labor, in dem die zu beobachtenden Objekte voneinander isoliert in gleissendem Licht einer gewissenhaften Analyse unterzogen werden, sondern als Lebensraum, als Ort des Austauschs zwischen den verschiedenen Bereichen unserer Realität und den bedeutendsten künstlerischen Erfahrungen.
Die Stadt Neuenburg vermietet die Räume an das CAN, das als gemeinnütziger Verein eingetragen ist. Mit einem Café-Restaurant als Untermieter deckt das CAN seine Betriebskosten. Sporadische Zuwendungen der öffentlichen Hand ergänzen die Einnahmen. In Anbetracht der bescheidenen Mittel arbeiten alle Verantwortlichen des CAN ehrenamtlich.

Marc-Olivier Wahler, künstlerischer Leiter des CAN..

  

CAN Centre d'art Neuchâtel

  

Christian Robert-Tissot. 1999. Art of today.
Cercle Ramo Nash. 1999. Etude systémique.
Erwin Wurm. 1999. One Minute Sculpture.
Jean-Claude Ruggirello. 1994. Mouvements.

  

  

     

Die Kunstzentren

     

Über Jahrhunderte hinweg zeigte ein angehender Künstler seine Werke seinen Meistern, seinen Mitschülern, seinen Schriftsteller- und Dichterfreunden, bevor er sie dem Urteil des Publikums aussetzte. Heute ist dies kaum mehr der Fall, die Verteilerkanäle stürzen sich sehr früh schon auf die Werke und warten nicht auf das Urteil der Berufskollegen. Die Streuung dieser Annerkennungsinstanzen ist im gleichen Masse wie die oben beschriebene stilistische Vielfalt eine Ursache der Atomisierung. Einerseits gibt es mehr Ausstellungsräume, öffentliche Sammlungen, Bücher und Zeitschriften, die sich mit zeitgenössischer Kunst beschäftigen, als je zuvor. Andererseits verfügen Konservatoren, Händler, Kritiker und alle Professionellen an den unzähligen von der Kulturindustrie geschaffenen Stellen der Vermittlung über ein Spektrum in der Auswahl von Künstlern, das jenem des Künstlers für seine Materialien in nichts nachsteht. Alle diese Leute sind in verschiedenen Netzen organisiert. Diese Netze beobachten einander, weisen sich selbst und den anderen einen Platz auf einer Skala zu, die von äusserst traditionalistisch bis äusserst avantgardistisch reicht. Dies ist jedoch nur noch eine weit entfernte Schockwelle der Kämpfe und Brüche, die die Anfänge der Modernität prägten. Heute herrscht grosso modo eine friedliche Koexistenz, die übrigens teilweise dank der relativen Undurchlässigkeit der Netze gewahrt wird.

Catherine Millet. 1997. L’art contemporain. Paris: Flammarion, S. 65-66.

  
L’art contemporain n’obéit pas à une démarche iconoclaste qui viserait à détruire l’art (même si, aux yeux de certains, il y aboutit): il obéit au contraire à une démarche «iconolâtre» (si l’on peut dire à propos d’œuvres qui font si souvent l’économie de l’image), adoratrice de l’art, consistant à tout lui accorder, à exiger son extension à la totalité du monde.

Nathalie Heinich. 1998. Le triple jeu de l’art contemporain. Paris: Minuit, pp. 170-172.

  
Les musées et les centres d’art contemporain, les revues consacrées à l’art vivant, les multiples biennales et manifestations périodiques où est présenté le dernier état de la création, bref l’ensemble de ce qu’il est convenu d’appeler «le monde de l’art» continue à prétendre unifier cette diversité en constituant ainsi un concept d’art contemporain qui se définit par son caractère hétéroclite même. Le concept d’un art sans définition est devenu le point central de sa définition. Ceux qui dénoncent le bazar de l’art contemporain comme ceux qui l’exposent ou le commercialisent utilisent tous la notion d’art contemporain pour unifier cette disparité dont ils s’indignent ou dont au contraire ils profitent.

Yves Michaud. 1999. Critères esthétiques et jugements de goût. Paris: Chambon, p. 30.

  

  

> Hâte-toi lentement.

  

  

  

Mise à jour le 28.11.2003   [Webmaster]