Die Kunst scheint nicht mütterlich, daran besteht kein Zweifel. Die Kunst ist keine halboffene Tür, die sich auf eine behagliche und milde Zuflucht öffnet, sie ist vielmehr eine zugemauerte Tür, eine halboffene, aber mit Beton verschlossene Tür. Und gerade diese beinahe unmenschliche Härte suche ich in dem kahlen, nur noch aus Wänden und einem Fussboden bestehenden Atelier, die masslos präsent sind und sich doch in ihrer herben und hellsichtigen Aussage distanzieren. Ich hüte mich vor dem liebenswürdigen und wohlwollenden Geschwätz der vertrauten Überfülle nicht minder vertrauter Dinge, die mich aufnehmen und aus denen ich mein «Daheim» mache, während ich mich doch meiner selbst überdrüssig vergessen möchte. Was mich anzieht und fasziniert, ist die helle, durchscheinende und deutliche Rede der beinahe fremden Präsenz eines selbstsüchtigen Wesens, das mir die Stirn bietet. Dies ist meine Sehnsucht, in der ich zuweilen versinke. Deshalb habe ich auch hier im Atelier die Nacht lieber als den Tag: Das Neonlicht ist hart und unnachsichtig, denn es ist allgegenwärtig und gleichmässig; das Tageslicht ist gedämpft, einschmeichelnd, beinahe zärtlich, es schafft dämmerige und geheimnisvolle Zonen, die sich je nach der Tageszeit und den atmosphärischen Schwankungen verändern; nachts sind die grossen Scheiben der Fenstertür, die beinahe die ganze Seite des Raumes einnimmt, Rechtecke von mattem, stummem Schwarz, die sich vom Weiss der gestrichenen Rahmen- und Seitenstücke abheben; am Tag sind sie ungenaue und schlaffe Tonbilder, die gleichsam von dem fragwürdigen und kriechenden Licht ins Atelier eingeführt werden. Nachts lösen der Hinterhof und die Taggeräusche des Quartiers sich in der undurchsichtigen und tonlosen Schwärze der Scheiben auf, und es existiert nur noch das geleerte, gesäuberte, frisch gestrichene und schonungslos erleuchtete Atelier. Es kommt vor, dass ich hier in diesem Winkel hinten im Atelier sitzenbleibe und mich der furchtbaren, überwirklichen Präsenz des leeren Ateliers stelle, das mir entgegentritt. Warum werden sie fragen. Nun, damit die alles ausschliessende Präsenz des Ateliers mich zwingt und mir hilft, meine Lage ohne ja-aber und ohne vielleicht mir selbst gegenüber zu bestimmen. Warum Gewissermassen, um mich zu schulen und zu befähigen, dem Bild gegenüberzutreten. Ich unterziehe mich der Prüfung des kahlen Ateliers, um das Bild, das mich beschäftigt und umtreibt, einer Prüfung zu unterziehen, aber auch um mich selbst seiner Prüfung besser unterziehen zu können. Rémy Zaugg und Heiny Widmer. 1982. «Zaugg, Widmer und "Le singe peintre"», in: Gachnang Johannes, Heiny Widmer, Roger Kaysel et al. 1982. Rémy Zaugg: le singe peintre. Aarau: Argauer Kunsthaus.
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Annonce. Les mystères de l'atelier. L'Express, 20 avril 1999, p. 5.
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Einige gehen soweit und sagen, dass heute der Künstler wichtiger
sei als die Kunst. Wie ein Unternehmer lässt dieser die Infrastrukturen seines Werkes
vorbereiten: Leinwand, Keilrahmen, Papier, Giessform; er gibt den Auftrag zum Vorbereiten,
Kleistern, Schweissen, Sägen, Siebdruck; dann erst lässt er das Produkt aus den Tiefen
seiner Emotionen und seiner Reflexion aufsteigen. Wenn er nicht selbst Hand anlegt,
überwacht und kontrolliert er, lässt die verschiedenen Spezialisten, die ihm
assistieren, die Arbeit verbessern oder sogar neu anfangen, bis er zufrieden ist.
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| Rémy ZAUGG.
Le singe peintre, 1982. 1 toile apprêtée et 8 acryl sur toiles 35 x 29 cm; une
carte postale de Jean-Baptiste CHARDIN (1699-1779), «Le singe peintre». Prêt
Kunstmuseum, Berne. G 1985.46a. Rémy ZAUGG. Le singe peintre, 1982. 1 toile apprêtée, 2 toiles collées face contre face et 7 acryl sur toiles 35 x 29 cm. Prêt Kunstmuseum, Berne. G 1985.46b.
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| Mise à jour le 28.11.2003 [Webmaster] |