Aber was versteht man
denn unter «zeitgenössischer Kunst» ? Bezeichnet dieser Begriff eine zeitliche
Kategorie (die heutige Kunst), oder eine ästhetische (ein bestimmter Typus von
Kunst) ? Vom juristischen Standpunkt aus ist die Definition rein chronologisch, also
einer kontinuierlichen Entwicklung unterworfen: es geht um Werke lebender Künstler oder
im Falle verstorbener Künstler um Werke, die nicht mehr als zwanzig Jahre alt sind. Auch
für die Kunsthistoriker und Auktionatoren hat die Chronologie Vorrang, aber bei ihnen
geht es um die Kunst nach 1945. Für die Konservatoren ist der Begriff gleichzeitig
chronologisch und ästhetisch, da es um eine «globale Idee, die die moderne Kunst mit dem
Jahr 1960 abschliesst und die zeitgenössische Kunst zwischen 1960 und heute ansiedelt»,
zu gehen scheint. Es geht jedoch nicht nur um das Problem der Definition, sondern auch um
das, was auf dem Spiel steht: ein Kunstwerk der «zeitgenössischen Kunst» zuordnen,
heisst je nachdem, es zu qualifizieren oder zu disqualifizieren. Auch hier ist der Kontext
entscheidend: In den eingeweihten Kreisen wird nicht selten ein Werk eines jungen
Künstlers gelobt, es sei «sehr zeitgenössische Kunst», oder getadelt, es sei
«überhaupt nicht zeitgenössische Kunst». Im Munde jener, die damit eine Art Produktion
bezeichnen, die sie ablehnen, ist der Begriff jedoch stigmatisierend.
Nathalie
Heinich. 1998. Le triple jeu de lart contemporain. Paris: Minuit, S. 10.
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John
M. Armleder. 1986. Furniture Sculpture 106. (en quatre parties). Acrylique et
laque-émail sur toile, coiffeuse. 215 x 305 x 43 cm; 2: 122 x 91,4 cm; 167,6 x 109,2
cm. Prêt de lartiste.
Né en 1948, John M. Armleder habite et travaille à Genève. Depuis 20 ans, il
explore lart du XXe siècle dans ce quil a de plus radical:
labstraction géométrique (et même parfois informelle) ou le ready made. Mais il
le fait avec une distance qui transforme chaque fois linfluence en nouveauté.
> Mansa et Sukko.
Dessins encadrés. 76 x 54 cm et 73 x 56 cm.
Hill Korwa. Inde centrale. Coll. F. A. Jamme. Les Korwa ne lisent ni
nécrivent mais prennent le plus grand plaisir à tracer des signes sur les grandes
feuilles de papier qui leur sont proposées.
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Die Kunst, die die
Konservatoren als «zeitgenössisch» bezeichnen, ist genau die Kunst, die sie mit ihren
Materialien und ihren Prozessen dazu zwingt, ihre Rolle und ihre Arbeitsweise tiefgreifend
zu verändern. Wir behandeln später die technischen Schwierigkeiten die sich den
Konservatoren beim Ausstellen, Konservieren, Restaurieren der Werke in den Weg legen, die
Herausforderung an den gesunden Menschenverstand und an das, was recht und billig ist, der
sie sich stellen müssen.
Die erste Ausstellung, die dieser neuen Lage Rechnung trug, und die heute als
«historisch» betrachtet wird, war Wenn Attitüden Form werden, 1969 in der
Kunsthalle Bern. Harald Szeemann, der sie inszenierte, war sich der Konsequenzen, die aus
dieser neuen Geisteshaltung, dieser neuen Kunstform ihm und seinen Kollegen erwachsen
würden, von Anfang an bewusst. Eines Tages erklärte er: «Bei den Treffen mit de Wilde,
Petersen oder Beeren aus Amsterdam, mit Hulten aus Stockholm, konnten wir nur das eine
sagen: "Das ist ein Scheissberuf." Für alles mussten wir den Kopf hinhalten.
Als Beuys seine Margarine auf den Boden auftrug, fielen alle über uns her und sagten:
"Szeemann verschmutzt das Museum, und nachher verwendet man die Steuergelder dazu, um
all diesen Dreck wieder wegzuschaffen".»
Etwas zurückhaltender drückt sich Jean Debbaut aus: die zeitgenössische Kunst
«erschwert» eher das Leben der Konservatoren als das des Publikums. Und die Definition
dieser zeitgenössischen Kunst liegt vielleicht teilweise in dieser Beziehung zwischen den
Werken, die versuchen, einen ausschliesslich für sie selbst gültige Existenzweise
durchzusetzen und den sozialen Strukturen, die immer wieder einverstanden sind,
Möglichkeiten zu schaffen, um sich ihnen anpassen zu können.
Catherine
Millet. 1997. Lart contemporain. Paris: Flammarion, S. 15-16.
Les artistes contemporains élaborent des travaux qui
de par leur nature (installations in situ, uvres éphémères et non domestiques)
les empêchent souvent de fonctionner efficacement dans le système marchand (comment
acheter une peinture destinée à sauto-détruire ? des uvres que
lartiste est allé voler dans la galerie voisine ? une exposition qui invite
tous les immigrés à venir fabriquer des armes à feu ? une performance où des
touristes japonais égarés jouent les rôles principaux ?). On trouve scandaleux
dattribuer un prix «officiel» à de tels artistes, par exemple le Prix fédéral
des beaux-arts. Trouverait-on moins scandaleux de leur préférer des artistes produisant
des uvres qui trouveront toujours une place de choix dans un cabinet de dentiste ou
un bureau de direction ?
Marc-Olivier
Wahler. 1999. «La truie est multipare», in: Marc-Olivier Gonseth, Jacques Hainard et
Roland Kaehr, éds. Lart cest lart. Neuchâtel: MEN,
pp. 154-156.
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Sherrie
Levine. 1994. After Van Gogh No. 3 et After Van Gogh
No. 5. Photographies. Prêt Galerie Art & Public, Genève.
Née en 1947 à Hazleton (Pennsylvanie), Sherrie Levine habite et travaille à New York.
Dès le début des années 1980, elle se fait connaître pour ses appropriations
(photographies, sculptures) duvres du XXe siècle, déconstruisant ainsi
la vision de lartiste comme auteur.
Cindy Sherman. 1993. Untitled No. 275.
Photographie 4/6. 159,1 x 222,9 cm. Prêt Galerie Art & Public,
Genève.
Née en 1954 à Glen Ridge (New Jersey), Cindy Sherman habite et travaille à New York. A
la fin des années 80, elle crée une série de grandes photographies couleur qui
parodient certains portraits réputés de la peinture européenne du XVe au
XIXe siècle.
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